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Kriegsreporter aus Leidenschaft: Viele haben durch ihre Fotos von den Kriegsfronten Schrecken in die Wohnzimmer gebracht, Emotionen geschürt, pazifistisches Aufbegehren ausgelöst. Die Kriegsberichterstatter im Nationalsozialismus hatten einen anderen Auftrag. Sie sollten den Krieg glorifizieren als nationalsozialistischen Kampf für das Vaterland, die Soldaten heroisieren. Die Autorin hat unveröffentlichte Texte aus dem Nachlass ihres Großvaters Franz Roth gesichtet und ausgewertet Pamo Roth, Berliner Journalisten Magazin, 1. April 2007

Franz Roth war einer der renommiertesten NS-Fotografen und wahrscheinlich einer der engagiertesten: Er war vor 1933 Mitglied der NSDAP und saß für die Partei sogar zwei Monate im Gefängnis. Als er 1942 zum Untersturmführer der Waffen-SS befördert wurde, charakterisierte ihn ein amtliches Schreiben als einen der Frontmänner der Propagandamaschinerie: „Er hat durch seine Arbeiten, die nur durch schneidigsten persönlichen Einsatz zu erreichen waren, einen großen Anteil an der planmäßigen Werbung für die Waffen-SS in der gesamten illustrierten Presse. Seine persönliche Haltung weist ihn als tapferen Soldaten aus.“ Die Schutzstaffel (SS) war ab 1934 eine eigenständige, paramilitärische Organisation innerhalb der NSDAP, deren Unterorganisationen maßgeblich am Holocaust beteiligt waren.

Er wurde am 5. April 1911 als Sohn des Arztes Dr. Franz Roth in Wien geboren. Seine Mutter kam aus einer angesehenen oberösterreichischen Bürgerfamilie. Im Jahr 1929 schrieb er sich an der juristischen Fakultät ein, trat der Deutschen Burschenschaft bei und meldete sich 1933 zum SA-Sturm. Er machte sich selbständig als Bildberichterstatter und wurde als Reporter bei der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press eingestellt. Für diese berichtete er ein Jahr aus dem Abessinischen Krieg in Afrika, von der Olympiade 1936 und aus dem spanischen Bürgerkrieg „immer auf der Seite Francos“, wie er schreibt. Mit Beginn des deutschen Angriffskrieges wurde seine Tätigkeit bei AP untersagt. Er fotografierte für das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter anderem aus dem Finnlandkrieg, im Sudetenland und im Balkan und fungierte als Ausbilder: „Fast sämtliche Bildberichter der Waffen-SS sind durch seine Schule gegangen. Durch packende Vorträge bildete er den Nachwuchs heran“, schreibt der Illustrierte Beobachter, eine Wochenzeitschrift der NSDAP, in einem Nachruf.

Als Teil der Aufklärungsabteilung im Russlandfeldzug wurde er am 17. März 1943 vor Charkow erschossen. In dem Beileidschreiben an die Witwe bedauert Joseph Goebbels, Leiter des Propagandaministeriums, den „Heldentod“ des Mannes, „den ich als einen der hervorragensten Bildberichterstatter kennen und schätzen gelernt habe“.

Die Geschichte von Franz Roth ist exemplarisch für die Ideologie der NS-Propaganda-Offensive. In einem autobiographischen Bericht charakterisiert er seine manipulative Auffassung von Fotografie: „Ein guter Knipser ist noch lange kein Bildberichter. Wie unsere Wortberichter ihre Texte, so muss ich meine Bildberichte aufbauen, die einzelnen Bilder und Unterschriften zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen. Mein Bericht ist neben dem Film der überzeugendste von allen, propagandistisch vielleicht der wichtigste.“ Dass dabei das journalistische Kriterium der Objektivität nicht nur völlig außer Kraft gesetzt wird, sondern sich sogar in eine Identifikation umkehrt, beschreibt er prägnant in einer Szene an der Ostfront, als Kriegsberichterstatter eine Aufklärungsabteilung zeitweilig ablösen: „Kriegsberichter haben wieder unter Beweis gestellt, dass sie auch im Kampf ihren Mann stehen, denn es ist unmöglich einen Soldaten zu beschreiben, einen Soldaten zu erfassen, wenn man selbst nicht mit ganzem Herzen Soldat ist.“ Dass er dies erfüllte, beweist seine Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse.

Die Aufgabe von NS-Journalisten formuliert er eindeutig: „Kriegsberichter […] sind Soldaten wie ihre Kameraden, die an der MG liegen, Granaten schleppen, oder im Panzer hocken. Doch sie führen eine neue Waffe, eine Waffe, bei der das Gerät nebensächlich, der Geist, der es führt, die Hauptsache ist. […] So hilft er für einen höheren besseren Zweck mit im Lebenskampf seines Volkes durch seine Begabung und seine Fähigkeiten auf dem Gebiete der Propaganda.“ Ob er jemals einen Menschen getötet hat, ist nicht dokumentiert. Er schoss Fotos. Seine Waffe war die Leica-Kamera, mit der er kämpfte als Speerspitze der NS-Propaganda, die verantwortlich war für die schrecklichsten Verbrechen der Menschheit.

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